Januar 2021
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978-3752641325

 

Schlech­te Nach­rich­ten für die Fuß­balle­rinnen von der Ball­freunde-Mädchen­mann­schaft: Traine­rin Elena muss für einige Wochen pausie­ren. Ihr Ver­treter sorgt für heil­loses Chaos, und zum Dank dafür, dass sie das Spiel gegen den Vor­letzten trotz­dem noch ge­winnen, werden die Mäd­chen auch noch aus­ge­zankt. Klar, dass sie sich das nicht ge­fallen lassen, und Kapi­tänin Sophie hat bald den Ver­dacht, das hinter dem Ver­halten des Aushilfs­trainers mehr steckt als Plan­losig­keit und Stur­heit.

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Autorenplauderei:

Von Autor zu Autor

 

An diesem Buch habe ich eine Weile ge­knobelt. Die Grund­züge der Ge­schich­te hatte ich schon länger, aber es hat noch ein Puzzle­stück ge­fehlt, ehe ich mit dem Schrei­ben be­ginnen konnte. Gut, wenn einen in solchen Situa­tionen andere Auto­ren unter­stützen! Manch­mal hilft einem ein kleiner Tipp eine Menge weiter, danke an alle, die da un­eigen­nützig weiter­helfen.

Die Hallensaison liegt hinter uns, und ich glaube, mit unserem Abschneiden können wir zufrieden sein. Unser eigenes Turnier konnten wir im Dezember gewinnen, obwohl man uns kaum vorwerfen kann, wir hätten uns nur Kanonenfutter eingeladen, und unseren Titel als Hallenstadtmeister haben wir auch verteidigt. Bei der Hallenkreismeisterschaft hat sich dann der FC im Halbfinale etwas glücklich für die Finalniederlage bei der Stadtmeisterschaft revanchiert, aber der dritte Platz ist bei diesem Wettbewerb immer noch ein tolles Ergebnis.

 

Nach einer Woche Zwangspause – der Platz war noch gesperrt – bereiten wir uns jetzt auf die Rückrunde in der Liga vor, die am letzten Januar-Wochenende beginnt. Auch da können wir bis jetzt sehr zufrieden sein: Obwohl der eine oder andere uns vor der Saison prophezeit hat, wir könnten den Wechsel von gleich fünf Spielerinnen zu den Damen nicht auffangen und würden in den unteren Tabellenregionen rumdümpeln, stehen wir aktuell auf dem 3. Platz. Wenn man bedenkt, dass wir wirklich mit den jüngsten Kader der Liga haben, dann spielen wir bis jetzt eine überragende Saison, und die beiden Mannschaften, die im Moment vor uns stehen, sind mit ganz anderen Voraussetzungen gestartet. Der FC hat vor der Saison massiv mit dem angepeilten Aufstieg in die Bezirksliga geworben und konnte auf diese Weise tatsächlich zwei oder drei gute Spielerinnen von anderen Vereinen locken. Bei unserer Torhüterin Martha, meiner Meinung nach die beste der Stadt, haben sie’s ja auch versucht, aber ihr sind Freundschaft und Zusammengehörigkeit wichtiger. Trotzdem führt der FC die Tabelle an, vor der JSG aus der Nachbarstadt, die ebenfalls über einen breiten und gut besetzten Kader verfügt. Die JSG profitiert davon, dass sie eigentlich aus zwei Vereinen mit großer Jugendabteilung besteht: Durch den Abriss einer maroden Platzanlage müssen sie sich seit dem Sommer eine Anlage teilen und haben direkt die Jugendmannschaften zusammengelegt. Die erste Mädchenmannschaft kann sich seitdem die Spielerinnen aussuchen und besteht dementsprechend überwiegend aus älteren Jahrgängen und dazu einigen wenigen jüngeren, die mit ihren technischen Fähigkeiten körperliche Nachteile ausgleichen können.

 

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Nach einem 2:0 zum Rückrundenauftakt bei der Eintracht sind wir im zweiten Spiel bei Wacker zu Gast, wo in dieser Saison erstmals eine Mädchenmannschaft an den Start geht; das gilt zumindest für die Zeit, an die ich mich entsinnen kann. Sie stehen gar nicht schlecht da, mit zwei Spielerinnen, die beim hochgerüsteten FC keine Perspektive mehr gesehen haben, und ein paar Mädchen, deren Fußball-AG in der Schule dem Rotstift zum Opfer gefallen ist, haben sie einen guten Grundstock. Die Hinrunde haben sie als Siebte beendet, und es sollte mich nicht wundern, wenn sie in der zweiten Hälfte der Saison noch den einen oder anderen Platz gutmachen.

 

Trotzdem sind wir in der Favoritenrolle, und wir werden uns hüten, Wacker zu unterschätzen. Defensiv sind wir im Vergleich zum Hinspiel besser besetzt, damals war Svea bei ihrem Vater in Hamburg, und Louisa war nach ihrem Wechsel von TuRa zu uns noch gesperrt. Dafür müssen wir vorne auf unsere beste Stürmerin verzichten: Jenny ist zwar mitgefahren und zieht sich auch um, will aber nur spielen, wenn wir sie wirklich brauchen. Sie hatte unter der Woche Magen-Darm und hat auch beim Training gefehlt. Inzwischen ist sie wieder einigermaßen fit, aber eben noch nicht ganz. Verena rückt von der rechten Außenbahn in die Spitze, Paula nimmt dafür ihre Position ein.

 

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Am Ende steht für uns ein klarer 3:0-Sieg, wobei der frühe Führungstreffer, von dem Wacker sich dann nicht mehr so richtig erholt hat, ein Geschenk war. Den Handelfmeter, den ich zum 1:0 verwandelt hab, muss man nach den neuen Regeln pfeifen, aber ob man die Regel gut finden muss, steht auf einem anderen Blatt. Paula hat die Geschichte mit einer Flanke eingeleitet, die allerdings für Verena zu hoch war. Auch die Verteidigerin ist nicht drangekommen und wollte sich noch beim Landen umdrehen, weil sie wusste, dass Kitty, unsere Linksaußen, irgendwo hinter ihr steht. Natürlich geht dabei der Arm hoch und vom Körper weg, und damit sind nun mal die neuen Kriterien für einen Handelfmeter erfüllt. Als noch Absicht oder nicht Absicht die entscheidende Frage war, hätte das kein Schiedsrichter gepfiffen, der noch alle Latten am Zaun hat.

 

Damit war die Taktik von Wacker gründlich durchkreuzt. Ich glaube, sie wollten uns eigentlich erst mal kommen lassen, hinten den Laden zusammenhalten und darauf lauern, dass wir leichtsinnig werden. Durch den frühen Gegentreffer mussten sie mehr nach vorne machen, und wir sind nicht mehr gegen eine Betonwand angerannt. Verena hat dann Mitte der ersten Halbzeit das 2:0 nachgelegt, ein ganz unspektakuläres Ding nach einem Steilpass unserer österreichisch-irischen Spielmacherin Siobhán, und damit war die Sache im Prinzip durch. Der dritte Treffer war ein klassischer Konter, den Jenny abgeschlossen hat. Sie zu bringen, war absolut nicht notwendig, aber ein paar Minuten wollten sie dann doch gerne spielen.

 

Unsere Stimmung könnte also bestens sein auf dem Heimweg, aber leider beschließt Elena, unsere Trainerin, die kurze Besprechung nach dem Spiel mit einer unschönen Neuigkeit: Sie wird uns in den nächsten vier Wochen nicht trainieren können. In dieser Zeit soll an ihrer Uni eine Veranstaltung in kompakter Form nachgeholt werden, die im letzten Semester ausgefallen ist, weil der Dozent krank war. Elena braucht den Schein, und sie will sich nicht darauf verlassen, ihn im kommenden Semester zusätzlich zu allen anderen Kursen machen zu können. Wenn’s ganz dumm läuft, steckt sie irgendwann fest und muss ein Semester zusätzlich machen wegen eines Scheins, den sie nicht hat, das will sie natürlich nicht riskieren. Ist ja auch eine Frage des Geldes, je länger sie fürs Studium braucht, desto später kann sie anfangen zu arbeiten und Geld zu verdienen.

 

Damit wir in der Zeit trotzdem trainieren können und die Spiele nicht verlegt werden müssen, hat sie zusammen mit unserem Jugendleiter eine Vertretung gesucht. Das war wohl gar nicht so leicht, die Spielerinnen aus der Damenmannschaft wollten nicht oder hatten keine Zeit, und auch von den Senioren oder den Alten Herren keiner. Am Ende haben sie einen ehemaligen Trainer der 1. Mannschaft reaktiviert, den Vor-Vor(-und-ganz-lange-so-weiter)-Vorgänger von Karsten Freese, der heute das Bezirksliga-Team trainiert. Die vielen „Vor“ liegen nicht daran, dass unsere Erste einen hohen Trainerverschleiß hätte, sondern daran, dass an mich noch nicht mal zu denken war, als Hans-Werner Brandt sie trainiert hat.